"Don't speak with your mouth full, it's very bad manners! You either speak or you eat. Not both at the same time. On one side a differentiated flux - the variety of food taken up in a process of disaggregation, chaotisation, sucked up by an inside of flesh - and on the other side, a flux of elementary articulations - phonological, syntactical, propositional - which invests and constitutes a complex, differentiated outside. But strictly orality is at the intersection. It speaks with its mouth full. It is full of inside and full of outside. In the same space, it is complexity in chaotic involution and simplicity in the process of infinite com­plexification. A dance of chaos and complexity."
Félix Guattari

Die Idee den leerstehenden Gasthof mit Kunst zu füllen, kam von Gundula Gruber. Der im Besitz der Familie Gruber befindliche Bau wurde temporär für die Kunst geöffnet. Der Künstler Thomas Gegner wohnt und arbeitet seit 2019 im Haus.

Während der Sommermonate bespielt die GGG einen Raum mit dem Wiener Künstler Michael Endlicher. Ebenso an den Aussenfassaden des Gegner.Haus sind Arbeiten von Endlicher zu sehen. Zum Abschluss der PerspektivenAttersee21 am 07.08.21 um 19h findet eine Performance von Endlicher statt, mit dem Titel I AM AFRAID OF YOUR FEAR!

Sprache ist Ausgangspunkt und Arbeitsmaterial des bildenden Künstlers Michael Endlicher. Sie bestimmt seine Arbeiten sowohl ideell als auch materiell und medienübergreifend. Sie tritt als vermaltes Zitat aus Kunstkritiken auf. Als Gelöbnisformel wird sie in Emailschilder gebrannt. Antithetische „4-letter-words“ werden aus der Leinwand gestanzt, Wortfolgen in Beziehung zu numerischen Buchstabenwerten in Bleche geprägt. Naturfotografien werden auf typografisches Trägermaterial gedruckt, dieses zu Vexierobjekten zwischen Text und Bild zusammengenäht. Dazu kommen Endlichers Ich-Litaneien in Videos und Performances, gesprayte Zaubersprüche und Faltobjekte aus zugetexteten Leinwänden.

Michael Endlicher versucht in den komplexen Relationen von Wort und Bild, von Körper, Individuum und Sprache eigene Perspektiven auszumachen, die er in einer spielerisch reduzierten Ästhetik festhält. Ihn interessiert, wie zeitgenössischer Kunst Sinn von außen zugeschrieben wird: Was wird warum von wem hineingelesen und herbeiformuliert?
Was wird dem Künstler zugeschrieben und abverlangt? Endlicher entwickelt eine Form von poetischer Textkritik, sein facettenreiches Werk oszilliert zwischen schnellem Witz und tiefsinniger Analyse.


V A N I S H I N G

HADRIEN DE CORNEILLAN // BEGI GUGGENHEIM // ALAN NEIDER


Unsere Ausstellung findet ab dem 10. Juli 2021 im Rahmen der Perspektiven Attersee im Gegner-Haus on-site statt und steht ganz im Zeichen jener KUNST, die auf die Themen KLIMASCHUTZ, BIODIVERSITÄT und der NACHHALTIGKEIT eingeht.

Hadrien de Corneillan (F)

liefert mit seinem Bild „Vanishing“ den Titel für diese Ausstellung. Er malt hier einen Wald mit thermolabiler Farbe. Steigt die Umgebungstemperatur auf mehr als 30° Celsius/86° F – so verschwindet der Wald von der Bildfläche. Treffen UV-Strahlen auf das Bild – wird es zerstört.

In seinen beiden anderen Arbeiten „Off shore/On shore“ und „Looking for Arthur“ zeigt er Industrieruinen und thematisiert damit das Verhältnis von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Begi Guggenheim (GE/AUT)

installiert für die Ausstellung die Intervention mit dem Titel „10000“, die zu 100% aus Müll besteht. Glastüren, Metallschrott, Plastiksäcke, Styropor aus dem Gegner-Haus haben Verwendung gefunden. Er möchte damit zeigen, dass die von Menschenhand erzeugten Dinge eine extrem lange Verottungszeit haben oder sich im schlimmsten Fall gar nicht mehr abbauen. Mindestens 10000 Jahre oder ewig würde es dauern.

Mit der Plastik „Wanderqualle (Mastigias)“ spielt der Künstler auf steigende Meeresspiegel an. Das Werk stellt eine Qualle dar, die Beine bekommen hat und nun das Meer verlässt und an Land gehen kann.

Alan Neider (USA)

beschäftigt sich seit den 1970er-Jahren mit der Verwertung von Fundstücken für seine Objekte, Assemblagen und Gemälde. Vor 50 Jahren bezog er ein Haus in Chicago und fand dort im Keller Glasreste, Holz, Metall und machte daraus Objekte, die er mit Teer verkittete.


Heute verwendet er für seine Werke Kleidungs- und Stoffreste, Säcke, Taschen, Jute und kommt mit seinen beiden „Paint&Tar“ Paintings mit dem Material Teer auf seine Arbeiten aus den 70er-Jahren zurück. Mit seinem „Ikea-Painting“ mit dem berühmten blauen Ikea-Sack spielt er auf Massenproduktion und Massenkonsum an.
Mit „Tapestry JB5“ und „Blanket Painting“ zeigt er, wie man Kunst aus 100% recycelten Materialien macht.